Engel der Zeit

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Zeit-Installation, Uli Lorenz – 2003

  Des Menschen Engel ist der Augenblick 

                          

Diese Ausstellung kann entliehen werden.  
 

Figuren mit Armbanduhr
symbolisieren Epochen des Lebens. Es ist mir im Nachhinein aufgefallen, dass ich mir bei einem Epochenwechsel (Ende der Jugendzeit, Arbeitsbeginn, Veränderung des Lebens-Mittelpunktes...) eine neue Armbanduhr gekauft habe, weil die Alte zufällig stehen blieb, eine Eigen-Dynamik entwickelte, oder nicht mehr zu Verstellen war. 
Häufig wechselt man bei dem Beginn einer neuen Epoche auch die Frisur oder die Brille (=Weltanschauung).

Die Uhr-Zeit hat der Mensch erfunden, als er sich der Unentweichlichkeit des Todes bewusst wurde. Die Erkenntnis der Begrenztheit und Vergänglichkeit des Lebens treibt viele Menschen an. Quantität statt Qualität in den Begegnungen führt zu einer vergeblichen Suche, zur Sucht und zu Stress. Die Zeit wird in immer kleinere Abschnitte geteilt und getak­tet, um möglichst viel Leben darin zu ver­planen. Aber Takt ist ein Todessignal, das sogar unser Herz zum Infarkt führt. Leben ist Rhythmus.

Niemand hat länger gelebt als ein totgeborenes Kind
Dieses Paradox des Taoisten Tschuang Tse begleitet mich als Rätsel. Ich fand eine Lö- sung, die ich in einer "Land- karte der Begegnung" auf ein altes Fenster malte. Den Hintergrund bildet ein Druck von Michael Majeurs Projekt „Starting Line“.  

Da unser Leben zu einem Großteil aus konstruierten Zeiten des geistigen Sur- fens in der Vergangenheit und Zukunft besteht, und vergleichsweise nur weni- ge Phasen im bewussten Erleben der Gegenwart gelebt werden, ist die getak- tete Zeit des Menschen ein Verlust an "Schöpfungserleben". Viele Mystiker glau- ben, dass der Mensch aus der Schöpfungs­weis­heit kommt und mit seinem Tod dorthin wieder zurückkehrt. Somit hat eine Seele, die nicht geboren wurde mehr Verbindung zur Schöpfung, als ein Mensch der oftmals von der Schöpf- ungs-Weisheit getrennt lebt.

Diese Landkarte der Begegnung zeigt Zyklen und Phasen des Menschen  zwi- schen Begegnung und  Isolation. Vermutlich leben die meisten Menschen alle Phasenzustände, nur in unterschiedlichen Beziehungen. Im Grunde sucht jeder die Liebe, nur jeweils an einem anderen Ort.

Engel der Zeit (Siehe Abbildung ganz oben)
Skulptur aus einer von mir gemalten Uhr und einem Engel. Ich habe die Zeiger entfernt, da die Sternzeichen genug Rhythmus anzeigen. Wer sich im Leben soviel Muße gönnt, dass er wahrnimmt, welche Sternzeichen und Mondphase ihn in dieser Nacht begleiten und wann die Sonne auf und unter­geht, hat gute Chan- cen, einen Engel, eine Sternstunde oder Sternschnuppe anzuziehen.  

       

Von der Muße geküsst...
Figuren aus Schwemmhölzern und Fund-Materialien. Sie sind ein Spiel von Phantasie, Zufall und Muße, und geben diese Energie auch an meine Lebens- Räume weiter.
Vermutlich stecken wir uns immer wieder gegenseitig an... Beim gestalten der Figuren taucht man tief in eine Zeitlosigkeit ein und erlebt Flow:  das Glücks- gefühl, spielerisch mit seinen Fähigkeiten die eigenen Phantasien zu verwirk- lichen.  

Erlebnis-Landkarten
In diese Landkarten unterschiedlichen Maßstabes habe ich wesentliche Augen- blicke und Begegnungen gekennzeichnet. Diese Erlebnisse werden in Laufe des Lebens immer zentra­ler. Gerne kehre ich an solche Orte zurück. Sie sind für mich zur Heimat geworden.  

 

9X9 Mystische Augenblicke
Angeregt durch die Ausstellung "food for the mind" im Haus der Kunst gestaltete ich das Projekt "food for the soul".
Ich begann im Frühjahr 2002 in Budapest ein "Sternstunden-Buch" zu schreiben, in dem ich glückliche Augenblicke und Einklang-Erlebnisse sammelte. Das erste Buch nannte ich "Randevouz with eternety", insgesamt sind drei Bücher entstanden. 
Ich fotografierte Augenblicke des Einklangs, damit diese Bilder - wie die Fotos aus unserem Familienalbum - immer wieder ein Fenster in meiner Erinnerung öffnen und zauberhafte Phantasien wach werden lassen. 

Leben ist eine Sammlung von Augenblicken... Um das pulsierende Leben in diesen Augenblicken auszudrücken, wählte ich rote Rahmen. Der kleine Spiegelstreifen um das Bild bietet Nuancen, Licht- und Farbspiele Resonanz und bezieht einen Funken des Betrachters ein.   

Gestalten der Gezeiten  
(„food for the soul“)

Kernstück ist eine Sammlung von Muscheln, die für mich Metamorphosen von „Flaschen-Geistern“ darstellen, da sie be­stimm­te Kräfte symbolisieren:  die Freiheit der Ringelwürmer (Adria 2000-2002), die Gemeinschaft der Zwackerln (Rosapineta 1994), Die Ent- faltung der Spirellis (Ca` Savio 2002), die Kreativität der Muschelblumen (Umag 1996) und der Einklang der roten Runzel-Stern- schnuppen (Ca`Savio – Jahrtausend-Werk).  

Bereits bei dieser Sammlung erkennt man, was Zeit in der Schöpfung bedeu- tet:  Spiel mit Struktur und Prozess, mit Chaos und Ordnung. Bezaubernd ist die unterschiedliche Anzahl der Freiheitsgrade die sich mit der Zeit zu einer Form manifestieren.
Wertvoll werden diese Muschel- und Scheckenfindlinge für mich durch die Zeit in der sie vom Meer geschliffen werden, sowie der Zeit des Sich-Finden- Lassens.

3 Minuten Tagesanbruch
Diese Fotoserie ist in bewegenden Augenblicken nach dem Sonnenaufgang in Valrace Plage entstanden. Es ist für mich ein Blick in die Ewigkeit und ein Aus- druck der schöpferischen Kräfte unseres Sonnensystems: gewaltig und zärtlich zugleich.

Das Meer ist der Puls der Erde. Die auslaufenden Wellen wirken weiter in die Seele, das Rauschen im unregelmäßigen Rhythmus führt zur inneren Stille und einer unermesslichen Weite. Am frühen Morgen am Strand zu schlendern, nichts bestimmtes suchen, die Gedanken mit den Wolken ziehen lassen, innerlich mit dem Licht von Mond und Ster­nen auf den Wellen tanzen, in den Rhyth­mus des Meeres einschwingen, den Wind riechen und am ganzen Körper fühlen, sich von Schätzen des Meeres finden lassen, eintauchen in die Tiefe des Lebens.

Chaos. Wenn Zeit-Raum und Freiheitsgrade vorhanden sind entstehen durch Selbstorganisation im Laufe der Zeit Wachstums- Muster, die von zufälligen Nuancen bereichert werden und Resonanz finden. 
 
Inspiration für neue Lösungen in alten Ordnungen, die zu erstarren drohen, 
ist die Kunst der Evolution.  
       
Musterbildung
Wir konstruieren in unserem Gehirn alle 3 Sekunden unsere eigene Welt neu. Unsere Verhaltens-Muster sollen „unse- re“ Welt im Laufe unseres Lebens im- mer wieder bestätigen. Dieses Festhal- ten an einer selbstgeschaffenen Welt benötigt nach modernen wissenschaft- lichen Theorien mindestens 95% unser- er geistigen Energie.

Es sind Sandburgen, die wir den Ge- zeiten des Lebens entgegenstellen. Bestand hat aber nur der Wandel.  
Wachstums-Muster
Die Schöpfung hat eigene Wachstums- Muster, die selbstähnlich immer wieder auftauchen in unserem Universum, un- serer Galaxie, unserem Sonnensystem, unserer Erde, im Wasser, den Wolken, den Lebewesen und den Atomen, wie z.B. die Spirale.
Im scheinbaren Chaos solche zeitlosen Wachstums-Muster zu erkennen gelingt  besonders gut, wenn wir zur Ruhe und zu unserer inneren Mitte finden: Im Allein-Sein, bei einer Meditation und in mystischen Augenblicken.  
Weichheit der Formen
Sammlung von Schwemmhölzern bei einem Morgenspaziergang in Ca´Savio.
Die Wellen des Meeres Schleifen die Hölzer, Steine, Gedanken, Gefühle und Muscheln zu weichen Formen. In der Begegnung mit dem Meer verlieren wir die Kanten unserer Ellenbogen und die scharfen Spitzen unserer Gedanken.

Spiel der Schöpfung
Mit Arbeit und Leistung können wir das Machbare verwirklichen. Das Geniale gelingt nur spielerisch mit Muße, was man in unserem Universum gut beo- bachten kann.
Selbst das Meer spielt mit Naturmateri- al und rollt es mit den auslaufenden Wellen am Strand, z.B. zu einem Ball. Übrig bleibt die stabilste aller Urfor- men, die Kugel, in der Sonnen, Plane- ten, Monde, Seifenblassen und diese Meeres­Knödel in ein wenig Ewigkeit verweilen.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   Nähe und Distanz  
   Steine von
Valrace Plage

Einfach so
Die Steine am Boden lagen einfach so am Kies-Strand von Long Island. Sie ha- ben mich einfach so angesprochen und ich habe sie einfach so mitgenommen. In ihnen ruhen meine wertvollsten Erinnerungen an New York. So einfach.

Vergangenheit der Zukunft                
Über diesen Stein bin ich in Königsdorf gestolpert. Ich habe ihn mitgenommen, auf einen Tisch gelegt und entdeckt, dass er ein toller Gleichgewichts-Künstler ist.
Ich stelle ihn gerne an die Ecke eines Tisches und hoffe, dass er nie herunter fällt. Im inneren Gleichgewicht an der Gren­ze der Stabilität, völlig ungewiss, wie  lange er hier ver­weilen will und verweilen kann in der Balance zwischen Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit.  

Apokalypse (Öl, 1984)
Dieser Bilderzyklus greift die Zeit der Ängste, Träume, Wünsche  und Visio- nen auf.  Konstruktionen von Zukunft, die wir durch unser Leben verwirk- lichen und verhindern können.  

Haus-Segen
Zwei Grafiken zu Texten aus dem Alten Testament (Psalm 91 und Jesaia 11,6).  Segen ist der Wunsch nach einer Zeit des Einklangs für dieses Haus, der Wunsch, dass jeder in seiner Einzigartigkeit wirken darf und doch ein gutes Ganzes mit den Anderen be­wirken soll.

Einklang
Ölbilder aus dem Zyklus der 81 Bilder des Biblischen Tarot. Die Schöpfungs-Weisheit kennt keine getaktete Zeit, sie kennt nur Rhythmus und Einklang.
Der einzige Zeitstrahl der Schöpfung ist die Evolution, deren Wirkung von Wissenschaftlern mit K3 beschrieben wird: Kooperation, Kommunikation und Kreativität. Sich in das Ganze einbringen und dadurch das Ganze ebenso be- reichern, wie vom Ganzen bereichert zu werden - von der Gemeinschaft, der Kunst, der Natur, der Schöpfung, der Spiritualität...  

Engel
Der Engel ist ein Bote, der zur "rechten Zeit" mich auf dem Weg begleitet. Er hat eine Ahnung vom Wesentlichen. Ohne dass er unsere eingebildeten Ziele 

kennen muss,kann er uns anregen, be- rühren, verstören, liebevoll begleiten und durch seine Anwesenheit heilsam sein. Engel hel­fen uns, aus dem All- tagstrott zu stolpern, die Scheuklappen abzu­neh­men und die Wahrnehmung zu weiten. Manchmal merkt man erst im Nachhinein, dass ein Mensch ein Engel für uns war

 
Weitere Exponate (derzeit nicht zu besichtigen)

Stille
Das Ölbild „Stille“ aus dem Zyklus des Biblischen Tarot zeigt den Weg zur Erfahrung von Ur-Zeit: Er führt über das Allein-Sein (der Begegnung mit sich selbst) zum All-Eins-Sein (der Begegnung mit der Schöpfung).
Stille lässt mich eintauchen in meinen Ur-Sprung. Wenn man zur Ruhe findet, kommt die Schöpfung auf mich zu, durch Zu­fälle, die Sternschnuppen des Lebens. In der Stille kann ich er­kennen, was in mir angelegt ist.

Orpheus und Eurydike (Keramik)
An der Schwelle zum Tod, die letzte von unzähligen Chancen, die Ewigkeit zu finden, in der Begegnung Zeit zu überwinden, bevor man zum Ursprung zurück- kehrt.


Zeit
ist im menschlichen Bewusstsein verschieden erlebtes Vergehen von Gegenwart...

als Erinnerung an die Vergangenheit und
als Erwartung der Zukunft, die zur Gegenwart wird.
Wirklichen leben wir nur in der Gegenwart! (Die von der Wissen­schaft mit maximal 3 Sekunden berechnet wird). Alles andere, die Zukunft und die Vergangenheit - sind Konstruktionen unseres Gehirns. Mit den neuen Eindrücken des jetzigen Augenblicks wird alle 3 Sekunden die Welt neu konstruiert.

Zeit
ist das Spiegelbild meiner Werte
und der Qualität meiner Beziehungen.

Die wesentlichen Werte unseres Bewusstseins und Unter­be­wusst­seins sind die Dinge, für die wir uns Zeit nehmen.
Das Erleben von Zeit in einer Begegnung mit Men­schen, der Natur oder Dingen spiegelt die Nähe oder Distanz, die ich gerade dazu habe. Je schneller die Zeit vergeht, umso näher bin ich in der Begegnung, je öfter ich auf die Uhr schaue, um so mehr Distanz habe ich. Zeit ist das Maß für die Distanz zum Leben.

Zeit
ist Abhängig von der Bewegung eines Systems
und von der inneren Bewegtheit eines Sys­tems

Diese wesentliche Aussage der Relativitätstheorie zeigt auf, dass Zeit keine absolute Größe ist, sondern von der Materie gekrümmt wird (Raum-Zeit).
Durch meine Beobachtung in vielen ÖKO-SYS-Seminaren bin ich davon überzeugt, dass Zeit abhängig ist von der inneren Bewegt­heit, also von der eigenen Stimmung, Lust, Resonanz und Wach­heit ...
Interessanterweise werden Erlebnisse, die langsam vergehen und langweilig sind, im Gedächtnis immer kürzer und verschwin­den schließlich ganz. Situationen tiefer Begegnung, die „wie im Fluge“ vergehen, bleiben in unserer Erinnerung haften und neh­men immer mehr Raum ein.

Zeit
ist eine Illusion

Konnte in der Vergangenheit noch kein Wissenschaftler benen­nen, was Zeit ist, kommt die Zeit in den aktuellen Entwürfen einer physikalischen Einheits­theorie überhaupt nicht mehr vor.
Dafür bietet uns die Theoretische Physik ein Modell an, mit unendlich vielen Parallel-Universen, in der jede Möglichkeit unseres Lebens parallel verwirklicht wird. Diese Theorie schließt nicht aus, dass wir uns immer gerade in dem Universum aufhalten, dessen Entwicklung wir wahr haben wollen.

Liebe
ist das Gegenteil von (Uhr-)Zeit

Wirklich lebt man nur in Augenblicken der Begegnung.
Liebe ist die tiefe Begegnung im So-Sein, ohne das Gegen­über verändern oder verbessern zu wollen – und doch löst diese Begegnung den Wunsch nach eigener Entwicklung und Entfaltung aus, den Wunsch „aufzublühen“, um die Tiefe der Begegnung ganz auskosten zu können.
 

Zeit der langen Schatten

In den Tagesdämmerungenist eine besondere Vielfalt von Schatten-, Farb- und Klangspielen in der Natur wahrnehmbar.
Gleichzeitig sind es Phasen des Übergangs von Tag und Nacht, Bewusstsein und Unterbewusst- sein, Verstand und Gefühl...

Mystische Augenblicke

In tiefen Begegnungen  mit dem Leben entsteht eine Wahr­nehmungsweitung, die Formen, Klänge, Wachstumsmuster und Ideen wunderbar zum Blühen bringt und die Schöpfung als eine Symphonie von Rhythmen und Einklang erfahrbar macht.

                    Die Energie ist die Welle
                    Die Welle ist das Meer
                    Das Meer ist die Wolke
                    Die Wolke ist der Schnee
                    Der Schnee ist der Kristall
                    Der Kristall ist das Ich
                    Das Ich ist der Hagel
                    Der Hagel ist der Tropfen
                    Der Tropfen ist der Regenbogen
                    Der Regenbogen ist das Licht
                    Das Licht ist die Welle
                    Die Welle ist die Energie
 

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