Theorie

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ÖKO-SYS

Systemisch-Ökologische-Kompetenz  

© Uli Lorenz, 1998

 

Systemisch

-Verbundenheit und Vernetzung in Lebens- und Arbeitsprozessen (Familie, Vereine)

-Das Ganze (Gruppe, Gesellschaft, Familie, Arbeitsstätte...) qualifiziert den Einzelnen

und der einzelne qualifiziert das Ganze (top down und button up: z.B. Feuerwehr)

-Gegenseitige Anpassungsprozesse (Neue Kollegin: voneinander lernen)

-ZUSAMMENSPIEL

-Sinnkonstruktion und Sinnbestätigung

Ökologisch

-Auskommen im gemeinsamen Leben (Viabilität)

-Nicht auf Kosten anderer Generationen leben (Nachhaltigkeit, Umweltverschmutz-

ung, Lebensmittel und Informationsmöglichkeiten teilen)

-Ressourcen einbeziehen und anbieten (Austausch, Ressourcenmanagement)

-Achtung, die man im Zusammenleben einander und der Gestalt des Zusammen-

lebens bekundet. (Wertschätzung, Mit-Welt als Subjekt betrachten)

-Einklang finden mit sich und der Mitwelt (... im Zwischen)

 

Kompetenz

- "Im Stande sein", Herausforderungen zu meistern und Schicksalsschläge zu ertragen

- Entwicklung von Fertigkeiten um bestimmte Aufgabenstellungen zu lösen

- Fähigkeiten in unterschiedlichen Situationen stimmig entfalten

 

Ziele der Systemisch-Ökologischen Kompetenz

Gute Rahmenbedingungen für Entfaltungsprozesse

für den eigenen Lebenslauf
für die Mit-Welt (Schöpfung, Familie, Gemeinde, Freundeskreis...)
für spezifische Gruppen (Kindergarten, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung)

Rahmenbedingungen sind wichtiger als Angebote und Programme. Es geht darum, die Selbstorganisation aller an einem Prozeß beteiligten Lebewesen zu ermöglichen, und die individuellen Fähigkeiten zu vernetzen (Synergie):

Fehlerfreundlichkeit

statt Perfektionismus

mehr Begleitung

statt Leitung

mehr Beziehung

statt Erziehung

mehr Entfaltung

statt Anpassung

mehr Resonanz

statt Fixierung

mehr Mitwisser

statt Besserwisser

mehr Projekte

statt Beschäftigungen

Der Erlebnisorientierte Ökologische Ansatz
© Uli Lorenz,1997

Eine tiefe Beziehung zu sich selbst, der Mit-Welt, Kultur und Natur finden.

Der Vorläufer der "Systemisch-Ökologischen-Kompetenz" (ÖKO-SYS), war der "Erlebnisorientierte Ökologische Ansatz." Die Foto-Ausstellung und ein begleitendes Seminar dazu wurden auf dem Forum "Pädagogik in Bewegung" angeboten, um aufzuzeigen, dass situationsorientierte Pädagogik auch in der Jugendarbeit und der Erwachsenenbildung möglich ist, und in der Weiterbildung von pädagogischen Mitarbeiter/innen neue Chancen bietet.

Als Weiterbildungsangebot ermöglicht es ÖKO-SYS, die Wahrnehmung zu weiten und die Selbstkompetenz zu stärken. Die Erweiterung des eigenen Verhaltensspielraums und die Förderung von Entfaltungsmöglichkeiten ist als pädagogisches Ziel nicht nur auf Kinder begrenzt, sondern ist eine lebenslange Entwicklungschance für Menschen.

Ausgangspunkt für diesen Ansatz war die Beobachtung, dass viele ErzieherInnen und SozialpädagogInnen mit großem Engagement viele Aktionen planen und durchführen, dabei aber die Potentiale ihrer Zielgruppe, der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, weitgehend unberücksichtigt bleiben. In der Auswertung zahlreicher Freizeitseminare mit Jugendlichen erkannten wir, dass faszinierende und kreative Entwicklungsmöglichkeiten sich immer dann ergaben, wenn kein festes Programm geplant war. Das Geniale bei diesen Seminaren entstand also jenseits der Grenzen des "Machbaren" und der Planung.

Eine wichtige Weichenstellung war die Einsicht, dass in der Sozialpädagogik durch (Zu-) Lassen mehr bewegt werden kann und sich entwickelt, als durch "Machen". Die Pädagogen erneuern beim "Machen" von Angeboten und Aktionen letztlich nur ihre früheren Erfahrungen und berücksichtigen kaum die aktuelle Situation. Wenn jedoch die Vielfalt der Fähigkeiten einer Gruppe zugelassen werden und die aktuellen Themen und Bedürfnisse Raum finden, entstehen ganz neue Erlebnisse und Situationen, die für alle neue Impulse und neue Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

Um diesen Freiraum zu ermöglichen, ist es bedeutsam, sorgfältig die Rahmenbedingungen zu gestalten und Zeit zu haben und sich Zeit zu lassen. Wie beim Situationsorientierten Ansatz gibt es also kein vorgeplantes Programm. Ebenso stehen hier die unverarbeiteten und aktuellen Befindlichkeiten und Erlebnisse im Vordergrund. Zeit-Räume für die Entwicklung von Ideen, Erinnerungen, Wünschen und Interessen sind wesentlich.

Durch die Ausstellung und unsere Seminare wollen wir aufzeigen, wie durch einfache Rahmenbedingungen die Selbstkompetenz, die eigene Wahrnehmung und der Verhaltensspielraum erweitert werden können. Diese Seminare haben Monika Krämer und ich über Jahre hinweg als Berufseinführung für Jugendsozialarbeiter durchgeführt. Als Unterkunft wählten wir bewusst ein einfaches Haus in den Bergen, meist mit Selbstversorgung.

Folgende Prozesse sind uns dabei besonders wichtig. Sie ermöglichen auch die Entwicklung einer feinen Wahrnehmung und Achtsamkeit, wie sie für die Beobachtungen im Situations-orientierten Ansatz notwendig sind:

1. Anfangsbedingungen

Es stellte sich heraus, dass es wenig Sinn hat, "versuchsweise" Verantwortung an Gruppenmitglieder zu übergeben. Hier gibt es auch keinen Unterschied zwischen Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen. Bedeutend ist es daher, sich seiner eigenen Haltung bewusst zu werden und sich zu überlegen, was ich den Gruppenmitgliedern zutraue, und wie viel Verantwortung und Entscheidungsmöglichkeiten ich bereit bin zu übergeben.

Diese Rahmenbedingungen müssen bei Seminaren von Anfang an ermöglicht werden, um glaubwürdig zu sein und auch von den Teilnehmern genutzt zu werden. In Kindertagesstätten können Kinderkonferenzen solch ein Anfang sein.

Bei unseren Seminaren übergeben wir beispielsweise die Gruppenkasse für Verpflegung an die Teilnehmer, gehen gemeinsam einkaufen, und organisieren weder die Essenszeiten noch die damit verbundenen Arbeiten. Wichtig ist es auch, die vorgegebenen Regeln und meist ungewohnten und unerwarteten Freiheiten von Anfang an vorzustellen.

2. GRUNDBEDÜRFNISSE SCHAFFEN KULTUR

Wir haben es noch nie erlebt, dass bei unseren Seminaren jemand verhungert wäre, weil niemand das Essen vorbereitete oder die Teller abspülen wollte. Sobald die Ersten Hunger hatten gab es auch etwas zu Essen. Die Teilnehmer entdecken schnell die Möglichkeit, beim Kochen oder Abspülen mit bestimmten Personen in Kontakt zu kommen und genießen auch sehr die Anerkennung, die sie für ihre Arbeit bekommen. Da die soziale Anerkennung in der Gruppe auch ein Grundbedürfnis ist, stellen erfahrungsgemäß alle gerne ihre individuellen Fähigkeiten in den Dienst der Gruppe. Manchmal werden eingebrachte Fähigkeiten wie Kräutersammeln oder Blumenpflücken für den Gruppenraum auch übersehen. Aber hier kann die Leitung (die zunehmend zur Begleitung wird) durch bewusste Beachtung dieser Beiträge einen Ausgleich schaffen

Kultur als Technik und Ausdruck des Menschen zur Bewältigung des Lebens und Schutz vor den bedrohlichen Seiten der Natur wird bei diesem Seminar besonders intensiv erlebt. Ohne eine Ablenkungskultur von Fernsehapparaten, Radio und Geschäften ist die Gruppe mehr auf die Natur und sich konzentriert. Grundbedürfnisse, die im Alltag gar nicht mehr wahrgenommen werden, sind nun sehr intensiv zu spüren. Das Befriedigen der Grundbedürfnisse wird zu einer ungeahnten und erlebnisreichen Prozedur. Tägliche Verrichtungen, die uns im Alltag oft in Stress bringen (schnell noch vor Ladenschluss ein Huhn aus der Tiefkühltruhe in die Mikrowelle), werden nun zu zeitaufwendigen Ereignissen, die tiefe Zufriedenheit ermöglichen.

3. ANPASSUNGSPROZESSE

Durch ständige Veränderungen in unserer Umwelt ist immer wieder unsere Anpassungs-Fähigkeit gefragt und notwendig. Nicht nur der Wechsel der Jahreszeiten und des Wetters, auch der Wechsel von Gruppen und Stimmungen einzelner Menschen macht es erforderlich, sich darauf einzustellen und sich entsprechend zu verhalten. Beim Eintritt in den Kindergarten, dem Wechsel zur Schule oder der Arbeitsstelle werden diese Prozesse besonders stark wahr-genommen. Anpassungsprozesse ermöglichen es, die Lebenssituationen aktiv und kreativ mitzugestalten und bieten viel Raum für Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit und der Gruppe. Bei Anpassungs-Prozessen ist es ganz wichtig, den eigenen "Kern" und die eigenen Visionen nicht zu verlieren, und seine Bedürfnisse gut wahrzunehmen.

Andererseits gilt es darauf zu achten, die Mit-Welt nicht zu überrumpeln. Was ich erzwinge trägt immer den Preis der Zerstörung! - schlimmstenfalls werden angepasste statt anpassungsfähige Menschen erzogen.

Im Erlebnisorientierten Ökologischen Ansatz sind Rückzugsmöglichkeiten ein sehr wichtiger Zeit-Raum, in dem eine Rückkoppelung zu sich selbst , den eigenen Werten und Bedürfnissen möglich ist, und der Gruppenprozess überdacht werden kann.

4. SELBSTKOMPETENZ

Selbstkompetenz bedeutet, die für den eigenen Lebensentwurf notwendigen Fähigkeiten zu entwickeln und zu entfalten.

Dies ermöglicht ein hohes Maß an Lebenstauglichkeit in den verschiedensten Lebenssituationen und hat ein hohes Maß an Lebensfreude zur Folge. Voraussetzung hierfür ist allerdings, in der Gegenwart präsent zu sein und die Erfahrungen und Erlebnisse der Vergangenheit mit den Erwatungen und Hoffnungen an die Zukunft gut zu verbinden. Es geht letztlich um die Lebenskunst, Bewährtes zu bewahren, Überholtes zu lassen und überall dort, wo man an Grenzen des eigenen Verhaltensspielraums stößt, Neues zu lernen.

Drei Aspekte sind dabei immer zu beobachten und können uns hilfreich sein, wenn wir sie als Ressourcen erkennen. Die selben Aspekte können unserer Entwicklung aber auch im Wege stehen, wenn wir sie als Prinzipien betrachten:

Die Selbstähnlichkeit (Musterbildung), die Selbstorganisation (Freiheitsgrade und innere Freiheit) und die Selbsterneuerung (Fixierung auf Attraktoren) eines jeden Menschen.

 

 
Kreativität beginnt damit, neuen Impulsen Raum zu geben und Zufälle wirken zu lassen