Systemisch

zurück

 

Systemische, lösungsorientierte Beratung

in Verbindung mit Methoden der Fähigkeiten aktivierender Therapie

 

Was ist ein System?

Ein System ist das Zusammenspiel von Elementen zu einem sinnvollen Ganzen, wobei der Sinn des Ganzen von den verschiedenen Elementen mitgestaltet wird.

In der Sozialarbeit sind die Elemente eines Systems Menschen, die im Zusammen­Wirken System bilden wie zum Beispiel Partnerschaften, Gruppen, Familien, Vereine, Parteien, Freundeskreise, Gesellschaf­ten etc.

 Jeder Mensch ist also „Mitglied“ zahlreicher Systeme, die er miteinander koordinieren muss. Gleichzeitig gilt es die Dynamik der Wechselwirkung von Struktur und Prozess zu gestalten und einen persönlichen Gesamt-Sinn zu finden.

Systemische Beratung, Supervision und Coaching helfen ein Gleichgewicht zu finden zwischen Struktur (Ordnung, um Dinge richtig zu tun // „doing things right“) und Prozess (Die richtigen Dinge tun // „doing the right things“)

Die Systemtheorie beschreibt Gesetzmäßigkeiten im Zusammenspiel der Elemente, die in verschiedenen Wissenschaften zu beobachten sind, z.B. Soziologie, Biologie, Chemie, Physik, Psychologie, und Sozialpädagogik.

Gewissermaßen beschreibt die Systemtheorie eine gemeinsame Dynamik des Lebens. Hierbei entstehen selbstorganisierte „Ordnungen“ in den jeweiligen Systemen.

Ist die Ordnung für uns nicht mehr wahrzunehmen, sprechen wir von Chaos. Es gibt jedoch hochkomplexe Ordnungen, die nicht ohne weiteres erkennbar sind. Diesen  Phänomen widmet sich die Chaostheorie.

Aufgaben des Systems

Jedes menschliche System bildet Selbstbewusstsein durch Verarbeitung von Informationen und Einflüssen aus der Umwelt. Das wichtigste Steuerungselement der Systeme sind der Strukturerhalt und insbesondere die Sinn- und Zielfindung.

Das System nützt hierfür innere Ressourcen wie Wissen, Kreativität, Fähigkeiten und Fertigkeiten und bildet Rollen und Teilsysteme aus, um wirkungsvollere Handlungs- Möglichkeiten auszuformen (Emergenz­Ebenen). Gleichzeitig reduziert das System die Vielfalt der Einflüsse (Komplexität) durch Musterbildung (z.B. Regeln, Verhaltens­Muster) und Abgrenzung von der Umwelt.

Dennoch muss sich jedes System der Mit-Welt soweit anpassen, dass es im nächst­ größeren System (z.B. Gesellschaft) als Teilsystem bestehen kann. Anpassungs-Fähigkeit ist eine bedeutende Kompetenz, die nicht mit Anpassung verwechselt werden darf. Die Zauberformel der Evolution lautet K3 und beinhaltet Kooperation, Kreativität und Kommunikation. Diese bedeutenden Fähigkeiten ermöglichen einen Spiel-Raum für stimmige Anpassungsprozesse. Im Unterschied hierzu ist die Anpassung in der Regel eine Angstreaktion, die bestimmte Verhaltens-Muster ausprägt, ohne dass diese für die Person sinnvoll sein müssen.

Eine weitere wichtige System-Funktion ist die Abgrenzung. Interessanterweise reagiert ein System nur auf Einflüsse, die mit seinen Zielen und Aufgaben zusammenhängen. Diese Attraktoren „halten“ das System indem sie die Systemziele bestärken.

Das System schützt sich vor allen anderen Einflüssen (z. . durch Wahrnehmungs- Einschränkung). Jedem System steht also grundsätzlich ein großer Schatz von unvorhergesehenen und überraschenden Möglichkeiten (kontingente Möglich- keiten) zur Verfügung, die in der Regel nicht wahrgenommen werden, aber als Ressource entdeckt werden können.

In der Beratung können solche neuen Möglichkeiten einbezogen werden, indem unerwartete Zusammenhänge mit den Systemzielen erkannt werden.

Wann ist eine Beratung systemisch?

Systemische Beratung achtet die Autonomie und die Eigendynamik des Menschen und des Systems. Probleme werden nicht nur in der Person gesucht, sondern als Wechsel- wirkung zwischen Mensch und System betrachtet.

So kann das selbe Verhalten unter verschiedenen Bedingungen einmal eine Fähigkeit und einmal ein Problem sein. Systemische Arbeit geht nicht davon aus, dass es eine objektive Wirklichkeit gibt, sondern davon, dass sich Menschen und Systeme ihre Lebensgeschichten und Sinnziele konstruieren. Die sinnhafte Veränderung dieser Konstruktionen durch Einbeziehen verschiedener Sichtweisen sind ein bedeutender Inhalt systemischen Arbeitens.

Was bedeutet Lösungsorientiert ?

„Entweder ich bin Teil des Problems oder ich bin Teil der Lösung“

Für Probleme kann man die Ursachen erforschen oder Lösungen finden. Probleme und Ursachen müssen aber nicht immer bekannt sein.
Nur in seltenen Fällen ist es notwendig, die vermeintlichen Ursachen nochmals durch-
zuleben um eine „Lösung“ zu finden.
Lösungen und Ursachen sind nicht notwendigerweise aufeinander bezogen.

In der Beratung werden die Kräfte der Person, seine Ziele und inneren Lösungswege genützt um mit einer neuen Perspektive und neuen Verknüpfungen eine Lösung zu finden. Die Lösung liegt also im Klienten, der Berater ist nur Wegbegleiter und Katalysator.

Einflüsse der Fähigkeiten aktivierenden Therapie

Die Fähigkeiten aktivierenden Therapie (FAT) wurde von Heinz Strauß entwickelt und geht davon aus, dass jeder Mensch alle Kräfte als Potential zur Verfügung hat, um Herausforderungen des Lebens zu bewältigen. Diese Kräfte sind als Potentiale angelegt und werden durch Raum und Beziehung zu Fähigkeiten ausgeformt. Fähigkeiten sind sehr flexibel und bieten einen hohen Verhaltens-Spielraum. Durch Wiederholung und Übung werden Fähigkeiten zu Fertigkeiten. Fertigkeiten sind Spezialisierungen, die nur in einem bestimmten Umfeld sinnvoll sind und wenig Spielraum haben.

Es ist also bedeutend ein breites Spektrum von Fähigkeiten zu entfalten. Durch besondere Belastungen können Fähigkeiten verdichtet werden, sozusagen „gefrieren“. Die Fähigkeit kann dann nicht mehr in der ursprünglichen Form gelebt werden sondern nur in verdichte- ter Form, die oft zu Verhaltensauffälligkeiten führt.

Fähigkeiten sind vergleichbar mit der Gesundheit: Sie werden erst wahrgenommen, wenn sie eingeschränkt sind, dann allerdings als „Defizit“, was den Fähigkeiten weiter Raum entzieht und sie noch mehr verdichtet. Der Verhaltens-Spielraum wird hierbei einge­ schränkt, was zu starken Problemen führen kann.

Die Grundfähigkeiten sind mit Grundgefühlen verbunden. Dies ermöglicht eine ganz­ heitliche Sichtweise des Menschen und Verständnis für emotionale Äußerungen.

Da Fähigkeiten auch im verdichteten Zustand vorhanden sind, können sie mit Methoden der „Fähigkeiten aktivierenden Therapie“ auch wieder „aufgetaut“ werden.

Systemisch bedeutet nicht systematisch

In der Umgangs-Sprache werden diese beiden Begriffe oft verwechselt. Auch wenn sie den gleichen Wortursprung haben, sind sie doch mit einem entgegengestzten Sinn besetzt:

- Systemisch meint das Zusammenspiel von Elementen zu einem sinnvollen Ganzen, und bietet viel Spiel-Raum und unzählige Möglichkeiten durch das Einbinden und Vernetzen von Ressourcen, Fähigkeiten und Zufällen. Systemisches Arbeiten beachtet also die eigenen Kompetenzen und die Wechselwirkung mit der Mit-Welt um neue Chancen und Möglichkeiten aufzuzeigen.

- Systematisch bedeutet hingegen ein planmäßiges Vorgehen oder eine planmäßige Darstellung von Dingen. Hier ist also Sinn und Zielrichtung von vorneherein fest­gelegt.

Beispiele:  Während Projektarbeit systemisch ist und die Ideen, Kompetenzen und Ressourcen der beteiligten Menschen einbezieht, Kreativität zulässt und ein offenes Ergebnis hat, ist das schulische Lernen in der Regel systematisch, also nach einer bestimmten Methode und einem vorgegebenen Ziel vorbestimmt. Die Ideen und Krea- tivität der Schüler werden hier in der Regel als Störung empfunden.

 

 

 

 

 
 
Kreativität beginnt damit, neuen Impulsen Raum zu geben und Zufälle wirken zu lassen