Zeitfallen

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Zeit-Fallen © Uli Lorenz, 1998

Perfektionismus, Aktionismus, Ziel-Fixierung und Ziellosigkeit

1. Perfektionismus

Perfektionismus ist eine Illusion, der Wunsch, einen guten Eindruck zu machen. Weil das Selbstwertgefühl von Perfektionisten mit einer fehlerlosen Leistung verknüpft ist, vergeuden sie oft viel Zeit mit nebensächlichen Details. Es fehlt ihnen die Fähigkeit, zwischen erreichbaren und unerreichbaren Zielen unterscheiden zu können. Perfektionismus ist also die beste Möglichkeit, das gesteckte Ziel nie zu erreichen.

Pünktlichkeit auf die Sekunde, übertriebener Ordnungssinn, stundenlanges und häufiges Aufräumen und übertriebenes Pflichtbewusstsein und eine Verzettelung in Details sind Merkmale des Perfektionismus. Perfektionisten überfordern sich selbst, indem sie die Meßlatte immer ein wenig zu hoch setzen.

2. Aktionismus

Ist der oft verzweifelte Versuch, nicht untätig in Hilflosigkeit und Ohnmacht zu verharren. Aktionisten wollen das Gesetz des Handelns auf jeden Fall in die eigene Hand bekommen, selbst wenn sich die Lage durch ihre verzweifelten Mitteln nur verschlimmert. Qualität braucht Muße und das Kennenlernen und Einbinden von Ressourcen.

"Damit wenigstens irgendetwas geschieht" ist das Leitmotiv von Aktionisten, dass gleichzeitig von notwendige Entwicklungen ablenkt.

Aktionismus ist die beste Möglichkeit, wachsende Qualitätsprozesse zu verhindern.

Auch wenn bestimmte Aktivitäten schon mehrfach nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben, ist dies für Aktivisten kein Grund, um nicht noch "mehr desselben" zu tun. "Wir haben getan, was wir konnten" ist eine beliebte Rechtfertigung.

3. Ziel-Fixierung

Fixierungen sind eine Art Zwangsvorstellung, dass mit dem Erreichen eines bestimmten Ziels oder dem Eintreffen eines bestimmten Ereignisses gewissermaßen eine umfassende Lösung oder Erlösung von vorhandenen Problemlagen möglich ist. Ziele sind Vorstellungen eines guten Verlaufs, die sich durch wandelnde Umstände auch verändern können. Fixierungen hingegen halten ein eingebildetes Ziel um jeden Preis aufrecht. Fixierungen schränken die Wahrnehmung ein und verhindern gleichzeitig die für die Erreichung eines Zieles notwendigen Veränderungen wahrzunehmen. Mit Fixierungen planen wir unser Leben wie mit Scheuklappen engstirnig in der Zukunft, und vergessen ganz, es jetzt zu leben. Werden die fixierten Ziele nicht erreicht, entsteht Frustration und Resignation.

4. Ziellosigkeit

ist die Unfähigkeit, aus den verschiedenen Bedürfnissen, Wünschen und Interessen der eigenen Person oder einer Organisation bewusst eine Auswahl zu treffen und Prioritäten zu setzen. "Wer vom Ziel nichts weiß, wird den Weg nicht finden." Ziellose Menschen bevorzugen es, sich von allem Möglichen ablenken zu lassen, um nicht mit sich selbst konfrontiert zu werden. Diese Gleichgültigkeit von Impulsen kann zur Lethargie ebenso führen, wie zum Aktionismus: "Als sie die Ziele aus den Augen verloren, verdoppelten sie ihre Anstrengungen." Nur in Pausen, in Zeiten der Ruhe und Stille findet man zu seinen Zielen.

 

 
 
Kreativität beginnt damit, neuen Impulsen Raum zu geben und Zufälle wirken zu lassen